„Wir leben strikt nach der Devise: lokal, bio und fair einkaufen“

Im März 2014 erscheint ein neues Album von Amanda Rogers. Konzerte in Deutschland sind für Mai 2014 geplant.

Interview: Guido Barth trifft Amanda Rogers (2012)

Amanda Rogers, vegane Künstlerin aus den USA

Amanda Rogers ist eine vegan lebende US-amerikanische: Sängerin, Pianistin und Komponistin

Amanda Rogers, eine vegan lebende US-amerikanische Sängerin und Pianistin mit einer fantastischen Stimme war mit ihrem Indie-Pop Album „Hope From The Forgotten Woods“ im Gepäck auf Deutschland-Tour: präsentiert wurde sie vom VEBU. Das folgende Interview entstand während der Tour.„Here and Nowhere“, das erste Album von Amanda Rogers, stammt bereits aus dem Jahr 1999 und hat die Artistin, Umweltschützerin und Veganerin mit einem Schlag bekannt gemacht. Amanda Rogers Stimme wird immer wieder verglichen mit denen von: Aimee Mann, Carole King, Kate Bush und Tori Amos. Und es stimmt. Wer ein Konzert von dieser zierlichen Frau besucht, wird  fasziniert sein, wie ihre Stimme zwischen sanften Passagen mit kraftvollen, unglaublich energiegeladenen wechselt. Dass diese Frau in der Punk- und Hardcoreszene auch schon auf große Bühnen gelangt ist, muss man nachlesen, eine Begegnung mit ihr lässt dazu keine Ahnung aufkommen. Oder man befragt die Künstler mit denen sie auf der Bühne gestanden hat. Dazu zählen Punk-/Hardcore- und Indie-Bands, wie: Dashboard Confessional, Onelinedrawing, Jupiter Sunrise, Moneen, Murder by Death, Mates of State oder Sensefield und Bats and Mice.

Egal welche Musikrichtung in ihrer Karriere gerade im Fokus stand, die Künstlerin blieb bisher immer dem Piano als ihrem Kompositionsinstrument treu. Nach einigen erfolgreichen Veröffentlichungen und der Gründung der Band „The Pleasants“ (2009) ist das bei ihrem neuen Indie-Pop Album genauso.

Amanda, dein neues Album heißt „Hope From The Forgotten Woods“. Um was für eine Hoffnung geht es darin und wo finde ich die „Forgotten Woods“?

Ich denke dabei an die Hoffnung auf ein weniger kompliziertes Leben. Ein Leben frei von schlechten Erinnerungen und ein Leben voller Liebe. Die „Forgotten Woods“ beginnen da, wo ich die Wege verlasse, die noch von menschlichen Spuren gesäumt sind. Das gilt natürlich für meine Wanderungen hier in den Wäldern Vermont, du kannst das selbstverständlich auch im übertragenen Sinne betrachten, da ist es auf das eigene Denken gerichtet, wenn du so willst. Es gilt für alle Lebensbereiche. Du verlässt diese „bekannten“ Wege und gelangst tief in die „Forgotten Woods“. Das sind Orte, wo du dein wahres „ich“ erkennst und findest und wo du (Be-) Deutungen für das Leben entdeckst, die weit über das bisher von dir Erlebte hinausgehen.

Über das bisher Erlebte hinausgehen, welche Rolle spielt dabei deine vegane Ernährung?

Ich denke, die macht vieles erst möglich. Ich bin seit 15 Jahren stolze Veganerin und lebe seit 18 Jahren fleischlos. Mike, mein Ehemann und Partner bei “The Pleasants” lebt seit 5 Jahren vegan. Wir sind uns da total einig und finden es beide extrem selbstsüchtig, einem anderen Lebewesen das Leben zu nehmen. Über diese Ernährungsweise haben wir uns viel mit Traditionen beschäftigt, da erkennst du eine ganze Menge Dinge, die, so wie sie sind, nicht wirklich gut sind und nicht so sein müssten und wenn du etwas kritisch hinterfragst, findest du völlig neue Denkansätze für dich selbst. Das befreit auch ein gutes Stück von unnötigem Ballast und hilft dir persönlich und auch der Kunst.

Discover the vegan art of live?

Ja, sozusagen. Es ist auch ganz einfach. In den USA gibt es so unglaublich viele Nahrungsmittel, die ganz natürlich wachsen, essbar und genussvoll sind.

Den Ruf eines veganen Paradieses haben die USA aber nicht gerade.

Das stimmt. Leider gibt es viele Landesteile mit immenser Trockenheit, so dass auf den Farmen das Wasser knapp ist. Statt für eine gute Wasserversorgung von Obst- und Gemüsegärten zu sorgen, wird Getreide für Mastbetriebe über weite Wege herantransportiert. Also die bekannte Verschwendung von Nahrungs-Ressourcen über den Umweg Fleisch.

Kauft ihr denn in Supermärkten ein?

Nein, dort gibt es oft nur raffinierte Lebensmittel, die mit Konservierungsstoffen langfristig haltbar gemacht wurden. Mike und ich lehnen das konsequent ab, deswegen boykottieren wir die großen Nahrungsmittelproduzenten, die auch für die zerstörerischen Monokulturen in vielen Teilen der Welt verantwortlich sind. Wir leben strikt nach der Devise: lokal, bio und fair einkaufen und wir unterstützen fairtrade Märkte und Cafes.

Wir sind thematisch etwas von deiner Musik abgekommen. Wie dein aktuelles Album hatte auch dein letztes Album mit „Forests and Fields“ einen naturbezogenen Titel. Was denkst du über das Mythische in der Natur?

Das kann ich ganz einfach beantworten, ich glaube, alles was in diesem Universum geschieht, hat Ursachen, die weit über das menschliche Verständnis hinausgehen. Dazu nenne ich Dir Mal ein Zitat von Carl Sagan aus seinem Buch „Cosmos“:

„Those afraid of the universe as it really is, those who pretend to nonexistent knowledge and envision a Cosmos centered on human beings will prefer the fleeting comforts of superstition. They avoid rather than confront the world. But those with the courage to explore the weave and structure of the Cosmos, even where it differs profoundly from their wishes and prejudices, will penetrate its deepest mysteries.“

Ich persönlich suche Antworten zum Mysterium dieses Universums, indem ich alle klitzekleinen Details in der Natur genau beobachte. Es gibt da so unglaublich viele Dinge, die in jeder Sekunde eines jeden Tages geschehen und sie alle sind es wert, wahrgenommen zu werden. Diese Dinge führen mich zu neuen Fragen, die ganz weit in bisher verschlossene Bereiche meiner Seele zielen.

Das Jahr 2006 war für dich ein Schicksalsjahr. Deine damalige Band hat sich aufgelöst und du hast sozusagen auf der Straße gestanden. Du hast damals dein Leben, was naheliegend war, nochmal ganz bewusst der Musik verschrieben. Du bist in deinen „Van“ gezogen und nimmst deine Alben in einem Ort in Vermont auf, der den schönen Namen „Mount Hollywood“ trägt. Wo lebst du jetzt?

Ich lebe immer noch in meinem Van. Auf Tour ja sowieso, aber auch wenn ich nicht auf Tour bin. Unterwegs bin ich irgendwie immer: mal in Syracuse, NY, Mt. Holly, VT oder Boston, MA.

Die Kritiker ihres letztes Album „Forests and Fields“, das sie zusammen mit ihrem Ehemann als „The Pleasants“ eingespielt hatte, zeigten sich überrascht, dass die Sängerin, die für ihre melancholischen Interpretationen bekannt war, fast schon vergnügt daher kam. In ihrem neuen Album, mit dem mythischen Titel „Hope From The Forgotten Woods“ dominieren eindeutig wieder die melancholischen Stimmungen.

Was bedeutet Melancholie für Dich?

Ich denke, dass es nicht gut ist für einen Menschen, wenn er zu lange in melancholische Stimmungen eintaucht. Nun gehören melancholische Gefühle wie: Trauer, Trübsinn, Sorgen und Kummer zum Menschsein dazu. Es ist wichtig, dass du in solchen Phasen die Hoffnung behältst und auch, wenn es sehr schwierig ist, weiter positiv. Diese Gefühle machen ja letztlich auch Glücksgefühle erst so einzigartig und wertvoll. Die Hoffnung, die Lichtblicke, auch wenn das Leben gelegentlich ungnädig erscheint, sind mir auch in meiner Musik und speziell jetzt auf meinem neuen Album ganz wichtig. Es ist ein Album mit reichen positiven Gefühlen.

Diese Melange aus Melancholie und Hoffnung bekommt einen besonderen Reiz, wenn man die Künstlerin dabei live erleben kann, wenn sie dort hinter ihrem Instrument sitzt und gelegentlich wie entrückt erscheint, und man eine Ahnung davon bekommt, was das für eine tiefschöpfende Hoffnung ist, die aus den vergessenen Wäldern in unser Leben schwappt.

Amanda, herzlichen Dank für das Gespräch.

Ich danke dir.

 

©Guido Barth
©Foto: Amanda Roger

weitere CDs von Amanda Rogers:
Place You Dwell (2003)
Daily News (2004)

Something Borrowed Something Blue CD  (2005)
Heartwood (2008)

The Pleasants:
Forests and Fields (2010)
Bedroom Songs (2010)
Hope From The Forgotten Woods (2012)


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.