„Rockclimber“ Steph Davis: erfolgreich, ambitioniert, berühmt – vegan

Go vegan!

Steph Davis in der Wand.
                                                         Fotocredit: (c) Tommy Chandler/Backcountry, auf Instagram

Steph Davis (40) ist eine der erfolgreichsten Bergsteigerinnen überhaupt. Sie ist zudem sehr aktiv als Basejumperin und im Wingsuit-Fliegen. Wer auf Wikipedia nachliest, lernt, dass sie die bisher einzige Frau ist, die den Schwierigkeitsgrad 5.11 gemeistert hat. Sie ist außerdem die erste Frau, die alle Gipfel der Fitzzroy Range in Patagonien bestiegen hat. Das sind nur einige der waghalsig anmutenden erfolgreichen Projekte von Steph Davis. Sie hält einen Bachelor der University of Maryland und einen Master der Colorado State University – beides in English. Zudem ist Steph vegan.

Sie lebt in Moab in Utah. Das ist ein Region mit vielen Canyons und „Türmen“. Der ideale Ort für unendlich viel Herausforderungen, denen sich Steph unentwegt stellt. Wenn Du einen Eindruck von dem bekommen möchtest, was sie genau macht, findest Du unter dem Interview Videolinks.

Steph, wann hast Du mit dem Bergsteigen angefangen und wie erinnerst du Dich an jene Zeit? Ich war damals 18 und ich wollte absolut alles darüber lernen. Es war für mich eine total neue Welt: nicht bloß wegen der körperlichen Belastung, auch die Seile, die Knoten, das ganze Equipment, die Berge, das Reisen und vor allem auch draußen zu leben: das war alles völlig neu für mich.

Du stellst Dich vielen Herausforderungen. Welche Rolle spielen für Dich dabei Risiko und Gefahr? Ich klettere sehr viel und bin auch sehr aktiv beim Basejumpen – das ist sehr anspruchsvoll un da ist es ganz natürlich, dass ich viel über Risiko nachdenke und mir immer wieder bewusst mache, auf welchem Level ich mich mit meinem Können bewege. Es stimmt schon, dass es sich bei solcher Art von Aktivitäten nochmal um andere Herausforderungen handelt, als bei Sachen, bei denen es nur um einen gewissen Schwierigkeitsgrad geht – ohne Risiko. Das ist schon eine enorme mentale Beanspruchung. Wenn ich etwas sehr riskantes plane, bereite ich mich einfach unglaublich gut vor. So gut es irgend geht.

Wie funktionieren eigentlich die Entscheidungsprozesse, wenn Du in einer Wand bist und unter Dir 200 Meter Luft? Normalerweise habe ich alle meine großen Entscheidungen gefällt bevor ich in eine Route einsteige. Natürlich passieren immer wieder unvorhersehbare Dinge. Die Entscheidungen, die dann nötig sind, triffst Du instinktiv: Du reagierst.

Wie ist das mit der Angst? Angst ist da, ganz klar. Die Hauptsache ist, dass Du mit der Angst umzugehen weißt. Dazu gehört, dass Du ganz genau weißt, was Du kannst: welches Können Du hast und wieviel Erfahrung. Das hilft Dir, dass Du respektvoll gegenüber der Schwerkraft und dem Risiko bleibst. Das Schlimmste sind unüberlegte Handlungen nach dem Motto: das mache ich jetzt einfach. Damit kommst Du sehr schnell in Situationen, in die Du nicht hingehörst. Daher ist es schon ganz wichtig, sich vorher sehr viele Gedanken über das Risiko und mögliche gefahren zu machen. Du musst Dich einfach intensivst mit der Umgebung und dem Terrain auseinandersetzen, in das Du einsteigen möchtest. Wenn Du ganz genau weißt, worauf Du Dich einlässt und auch weißt, dass Du das nötige Können mitbringst, dann wirst Du auch mit der gefühlten Angst umgehen können.

Wie hat Dich das Klettern über die Jahre verändert? Ich klettere nun schon über die Hälfte meines Lebens. Das hat mich in jeder Form geprägt. Etwas, mit dem ich mich über Jahre auseinandergesetzt habe, ist, genug Zutrauen zu haben, um an das alte Sufi Konzept „Freude im Augenblick der Enttäuschung“ zu glauben. Es ist aber tatsächlich so, dass Du das hinbekommst – auch in wirklich komplizierten Situationen. Ich bin überzeugt, dass ich in meinem Leben an einem Punkt angelangt bin, wo ich wirklich von mir sagen kann: ich kann das.

Menschen, die mit dem Klettern anfangen, haben oft – wie bei anderen Dingen auch – ganz bestimmte Erwartungen. Was davon bekommen sie beim Klettern definitv nicht? Es geht beim Klettern nicht um Gewinnen und Erfolge. Klettern transzendiert solche Dinge.

Go vegan!

Steph on the way.
      Foto / Steph Davis

Du fliegst neben dem Klettern auch noch viel mit dem Wingsuit und bist als Basejumperin aktiv. Geht es dabei nur um den „Kick“? Mir geht es beim Wingsuit-Fliegen in erster Linie darum, in den Bergen und in der Luft zu sein. Es macht so unglaublich viel Spaß ist aber gleichzeitig sehr analytisch. Der Preis ist dabei auch am höchsten: in Zeit, Mühe und Verlust – es gibt aber eben auch am meisten.

Du lebst auch schon ein ganze Zeit vegan. Wie bist Du dazu gekommen? Ich habe 2002 beschlossen, dass ich verschiedene Ernährungsformen ausprobieren will. Mein Ziel war es, noch besser Klettern zu können. Zu der Zeit galt die vegane Ernährung in der Kletterszene als lächerlich. Ich kannte niemanden, der damals vegan war. Jeder sagte mir, wie schlecht das für mein Klettern sein würde. Ich habe insgesamt vier andere Ernährungsformen für je vier Monate ausprobiert. Ich habe dann ein Reinigungsfasten gemacht und dachte mir: Ich probiere es doch Mal mit vegan. Schon nach wenigen Wochen fühlte ich mich besser. Ich fühlte mich beim Klettern besser und ich fühlte mich beim Laufen besser. Das ist der Grund, warum ich vegan geblieben bin. Nach ein, zwei Jahren lernte ich auch, was Massentierhaltung eigentlich bedeutet: dass Tiere nämlich routiniemäßig gequält werden, damit man billig produzieren kann. Als mir das richtig bewusst geworden war, war vegan leben für die die eigene Leistungsfähigkeit zweitrangig. Ich würde allein aus dem Grund vegan bleiben, um dieses Horror-System auch nicht mit einem einzigen Cent zu unterstützen. Trotzdem bin ich natürlich glücklich, dass ich mich nicht entscheiden brauche, denn vegan leben fühlt sich für mich wunderbar an. Ich fühle mich besser und mein Körper funktioniert besser. Ich koche und backe sehr viel und esse nichts „Vorgefertigtes“. In erster Linie esse ich Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und Früchte. Was ich absolut nicht mag, ist raffinierter Zucker. Wenn ich backe, verwende ich normalerweise Ahornsyrup.

Wie hat sich Deiner Erfahrung nach die Wahrnehmung des veganen Lifestyles über die Jahre geändert? Heutzutage ist Veganismus überall und sehr viel Menschen wollen vegan leben. Die Leute reden über die positiven gesundheitlichen Effekte, über weniger Gewicht, weniger Herzkrankheiten und weniger Krebs. Es gibt auch einige sehr gute vegane Athleten, die viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Das ist großartig!

Wie siehst Du die Zukunft der veganen Lebensart? Ich denke, es werden immer mehr Menschen verstehen, welchen gesundheitlichen Nutzen eine vegane Ernährung mit sich bringt. Viele Ärzte sagen bereits, dass eine vegane Ernährung Herzprobleme und Krebs „umkehren“ kann. Die Menschen verstehen auch allmählich, welche enormen Vorteilevegan für die natürlichen Ressourcen der Erde und für die Umwelt hat. In vielen Restaurants gibt es auf der Karte verschiedene vegane Optionen. Es ist deutlich, die Dinge verändern sich.

Welches ist Dein veganes Lieblingsessen? Abends esse ich am liebsten einen großen Salat mit gedünstetem Gemüse, Tofu und braunem Reis. Ich mage dunkelgrünes Gemüse sehr gerne: Grünkohl, Broccoli und Spinat. Ich habe sehr gute Rezepte für „Apple Pie“ und für „Chocolate Chip Cookies“, die mache ich sehr viel. Du praktizierst täglich Yoga, wie hilft Dir das? Ich mache Yoga jeden Morgen nach dem Aufstehen. Manchmal nur fünf Minuten, manchmal länger. In erster Linie hilft es meinen Gelenken flexibel zu bleiben und ich fühle mich danach immer klarer.

Was sind Deine nächsten Herausforderungen beim Klettern? Was hast Du sonst noch für Pläne? Zuletzt hat mich die Kombination von Klettern und Basejumpen am meisten interessiert – und dabei in erster Linie „Wingsuit Base Jumping“. Meine Ziele liegen alle weitgehend in Moab, aber ich bin doch in letzter Zeit auch häufiger im Südwesten unterwegs gewesen. Dort gibt es ein ganze Reihe von Wingsuit-Plätzen, die gerade entdeckt werden.

Gibst Du Workshops in Europa? Ich werde im Juli in Europa sein. In erster Linie aber, um mit meinem Freund in den Bergen zu fliegen: in der Schweiz, in Chamonix und in den Dolomiten. Ich werde auf dem „International Mountain Festival“ in San Candido am 18. und 19. Juli sein. Klettercoaching biete ich im „Indian Creek“ und in „Moab“, immer im Frühling und im Herbst.

Go vegan!

Steph with Cajun
Fotocredit: (c) Tommy Chandler/Backcountry, auf Instagram

Letzte Frage: hast Du Haustiere? Ich habe einen schwarzen Kater mit dem Namen „Mao“: er kam vor fünf Jahren in mein Haus und ist bei mir geblieben. Da ist auch noch „Cajun“, eine „Cattle Dog“ Hündin. Sie wurde halb verhungert in der Navajo Reservation gefunden. Sie kommt mit mir überall hin. Sie wartet am Bergfuß, wenn ich klettere. Wenn es möglich ist, rennt sie auf den Gipfel und rennt wieder runter, wenn ich springe.

Steph, vielen herzlichen Dank.

Steph Davis videos:
Salathe Wall, Yosemite
Forgotten Lines
High Infatuation (Stephs website) – mit tollen veganen Rezepten.

Wenn Du Stephs Buch bestellen möchtest: „Learning To Fly“ (amazon)

Fotocredit for top and bottom photo: (c) Tommy Chandler/Backcountry –  http://instagram.com/tommychandler

Other / Steph Davis

Gefragt und übersetzt: G.B.

 

 


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