Vegan und schwanger: oh, Gott? Die vegane Ernährungsberaterin Anna Linke bleibt dabei ganz entspannt

 

Be vegan! Porträtfota Anna Linke, vegane Ernährungsberaterin

Anna Linke ist eine vegane Ernährungsberaterin und seit fast einem Jahr selbst Mutter.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Foto: (c) Anna Linke, privat

Anna Linke ist 32 Jahre jung und vegan. Sie ist Ernährungs-beraterin und als solche auf vegane Ernährung spezialisiert. Sie hat länger in Berlin gelebt und war danach einige Jahre beruflich – Club Aldiana – und privat im Ausland: Djerba, Zypern und Neuseeland. Als hervorragende Köchin weiß sie wie Lebensmittel gesund und lecker zubereitet werden. Das Wichtigste aber: „nach einer ganz normalen Schwanger-schaft“ ist sie jetzt Mutter eines Sohns. Ich habe ihr zu ihrer Schwangerschaft einige Frage gestellt.

In einer Schwangerschaft zeigt sich, wer es absolut ernst meint mit der veganen Ernährung. Wahrscheinlich werden viele nicht so gut informierte Lifestyle-Veganerinnen nicht lange fackeln und auf Geheiß ihres Arztes während der Schwangerschaft mindestens wieder Milchprodukte, wenn nicht sogar Fleisch essen.

Wie riskant ist eine rein vegane Ernährung für eine werdende Mutter und wie riskant für das noch ungeborene Leben?

Das ist meiner Meinung nach überhaupt nicht riskant oder gefährlich. Wer bei normaler Stoffwechsellage täglich ausgewogen und abwechslungsreich vegan isst und dabei die kritischen Nährstoffe (B12/Vitamin D) supplementiert sollte keine Probleme bekommen. Ich kenne viele vegane Mütter – deren Kinder sind alle gesund!

Die Faktenlage gibt in der Tat genug Daten her, die die vegane Ernährung auch in der Schwangerschaft als bestens geeignet erscheinen lassen. Das hat bereits vor Jahren die Academy of Nutrition and Dietetics öffentlich geäußert – das ist immerhin die weltweit größte Organisation ihrer Art.

Woran liegt es Deiner Meinung nach, dass Ärztinnen dennoch ganz unterschiedliche Empfehlungen abgeben. Einige finden eine vegane Ernährung in Ordnung, andere raten entschieden davon ab?

Ich denke, dass es daran liegt, wie gut Ärzte sich weiterbilden und offen für „andere“ Wege sind. Also über ihr Studium hinausschauen. Ich glaube, dass viele einfach unsicher sind, weil sie sich mit dem Thema Ernährung noch nie wirklich beschäftigt haben. Und natürlich gibt es da noch die Pharmaindustrie, die bei einigen Ärzten bestimmt auch eine Rolle spielt.

Du selbst bist im letzten Jahr Mutter geworden. Wie sicher hast Du Dich mit Deiner veganen Ernährung während Deiner Schwangerschaft gefühlt? Ängste, Sorgen, Zweifel, Kontroversen, Versuchungen?

Ganz ehrlich?

Bitte.

Absolut sicher! Ich beschäftige mich schon ein paar Jahre mit dem Thema Ernährung und ich vertraue meinem Körpergefühl. Es sind mir keinerlei Zweifel gekommen.

Wie war der Dialog mit Deiner Ärztin bzw. Deinem Arzt?

Das ist alles ganz reibungslos verlaufen. Meine Hebamme, mein Hausarzt und meine Frauenärztin sind sehr offen und kompetent. Sie haben mir da gar keine Schwierigkeiten bereitet. Außerdem sind meine Blutwerte immer in Ordnung: das ist immer ein starkes Argument.

Hast Du gezielt eine vegan-freundliche Ärztin gesucht und ausgewählt?

Nein, meinen Hausarzt und meine Frauenärztin hatte ich schon vor meiner Schwangerschaft.

Häufig ist es so, dass es im sozialen Umfeld Widerstand gegen eine vegane Ernährung gibt – gerade in einer Schwangerschaft. Dass heißt: beim Freund, Mann und dem Rest der Familie. Wenn dann noch der Arzt oder die Ärztin kritisch sind, steigt der Druck auf die Frau enorm.

Wenn sie nun zu Dir in die Ernährungsberatung kommt: Wie würdest Du ihr helfen?

Ich würde sie erst mal beruhigen und ermutigen. Wir würden uns gemeinsam anschauen, wie ihre derzeitige Situation in Bezug auf die Ernährung und das soziale Umfeld aussieht. Rein unter dem gesundheitliche Aspekt betrachtet würde ich sie zuallererst bitten, einige Parameter und Nährstoffe via Bluttest kontrollieren zu lassen. Darüber hinaus ist es natürlich ganz wichtig, das soziale Umfeld mit einzubeziehen, Informationsquellen aufzuzeigen und umfassend zu beraten. Wir können dann schauen, wie wir einen für alle Beteiligten akzeptablen Weg finden. Ich habe ja jetzt auch Erfahrungen aus erster Hand. Das ist für viele schon überzeugend.

Schlussendlich: Wie ist Deine eigene Schwangerschaft verlaufen?

Gut und völlig normal. Nur zum Schluss hin ist mir meine Tätigkeit im veganen Laden recht schwer gefallen. Ich musste dort viel Stehen und Tragen. Insgesamt aber nichts Außergewöhnliches.

Was siehst Du, bezüglich vegan und schwanger – jetzt, nach Deiner persönlichen Erfahrung – anders?

Nicht viel! Nur, dass die Eisenaufnahme zum Ende der Schwangerschaft nicht so einfach zu decken war, wie ich es vorher gedacht hatte. Das geht allerdings auch den meisten Nicht-Veganerinnen so. Ich war und bin noch immer davon überzeugt, dass eine vegane Ernährung in jeder Lebenssituation gesund ist.

Was sind das für Menschen, die bei Dir Rat und Information suchen?

Die meisten sind verunsichert durch den immensen Informationsfluss im Internet. Es ist schwierig zu sondieren, gerade wenn man sich mit dem Thema Ernährung allgemein nicht so gut auskennt. Viele wollen sich aber auch einfach gesund vegan ernähren, was bei der Fülle an veganen „Alternativen“ nicht immer leicht ist. Denn vieles, was derzeit auf dem Markt ist, ist einfach nicht gesund und hat mit einer gesunden veganen Ernährung nichts zu tun!

Wo siehst Du den größten Handlungsbedarf in der Aufklärung zur veganen Lebensweise?

Ich finde, dass seit kurzem ziemlich gut aufgeklärt wird, wenn man die richtigen Quellen liest. Was mir persönlich besonders wichtig ist, dass die Menschen verstehen, dass man in tierischen Produkten das ganze Leid der Tiere mit isst, nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch feinstofflich. Davon bin ich überzeugt! Schließlich weiß jeder Mensch, woher die Produkte kommen und wie sie hergestellt worden sind. Außerdem schadet man nicht nur sich selbst, sondern auch der gesamten Welt.

Wo genau siehst Du Deine Rolle als vegane Ernährungsberaterin?

Ich würde sehr gern alle Menschen unterstützen, die sich gesund ernähren möchten. Menschen, die sich von den Manipulationen der Werbung und der Industrie lösen wollen und eigenverantwortlich zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden gelangen möchten. Wichtig ist für mich auch der Aspekt, dass dabei jeder die Welt zum Guten hin verändert! Denn ich denke, wir – damit meine ich jeden einzelnen von uns, können mit der eigenen Ernährung und vor allem mit unserer ganzen Einstellung zum Essen die Welt wirklich ein gutes Stück besser machen.

Anna, herzlichen Dank.

Webseite: Anna Linke, ganzheitliche Ernährungsberatung

 

Guido Barth


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