vegane Schuhe von Inga Thomas: „Mit Schönheit überzeugen“

Guido Barth trifft: Inga Thomas (2006)

vegane Schuhe von Inga Thomas

Inga Thomas in ihrer Atelier-Werkstatt

Schönheit, das ist Programm und Erfolgsrezept für Inga Thomas, der jungen Hamburger Schuh-Designerin. Ihr Weg zu den ersten veganen Modellschuhen aus der eigenen Werkstatt führte über Ausbildungen in Mailand und London.

Inga Thomas „baut“ Schuhe. Liebevoll designte und von eigener Hand gefertigte Kunstwerke. Ich sitze mit ihr und einer Freundin in ihrem hellen Laden in der Marktstraße im Hamburger Karolinen-Viertel. Inga Thomas trägt ihr dunkelblondes langes Haar offen. Ihr schwarzes Shirt betont ihre gute Figur, die schwarze Hose wirkt sehr elegant. Sie trinkt Café. Ihre Füße verbergen sich in silbernen Pumps mit einer Schnalle über dem Spann. Ein spektakuläres Modell.

Schuhe für Auserwählte

Die Marktstraße hat sich zu einer Designerstraße gemausert. Immer mehr Jung-DesignerInnen siedeln sich mit ihren Läden hier an. Inga Thomas ist seit gut einem Jahr in ihrem jetzigen Laden. Knallrote Stiefel stehen da auf dem Boden; sie haben für mich etwas Unnahbares, so, als müsse man auserwählt sein, um sie an den Füßen tragen zu dürfen. Ich nehme ein anderes Modell in die Hand; ein offenes Modell, in warmen Orange, wie ein schöner Sonnenaufgang, weich und zierlich und ganz leicht. „Die Schuhe seien extrem formtreu, weswegen Inga Thomas auch Wert darauf legt, dass ihre Kundinnen in den Laden kommen und die Modelle anprobieren.

 

Die Zukunft begann früh

Schon als Kind habe sie alle möglichen Sachen verändert und selber gemacht, z.B. die Klamotten für ihre Barbie-Puppen. Dennoch hat sie zuerst ein Studium für Ägyptologie und Geschichte begonnen und ist erst später zum Schuh-Design gewechselt. „Hätte ich schon vorher auf mein Herz gehört, hätte ich gleich damit angefangen“. In Mailand besuchte sie danach eine Schule für Schnitttechniken. Da hätten sie wochenlang nichts weiter gemacht, als einen Schnitt nach dem anderen, erinnert sie sich. „Ich fand das toll“. Zuletzt war sie in London und hat dort Kurse für „Shoe Designing and Industrial Making“ besucht.

Farben als Lebenselexier

Die kühlroten Farben seien ihre Lieblingsfarben. Während sie das sagt, streift ihr Blick langsam über die verschiedenen Modelle. „Im Augenblick biete ich dreizehn Modelle an“. Da sind Töne in Orange, Grün, Violett und immer wieder Rot, aber auch Silber und Gold. Nicht alle Farben sind schlicht. Bei zwei Modellen, changiert die Farbe von hellerem Rot langsam zu dunklem, was einen aufregenden Effekt bewirkt. Die Modelle zeichnen sich alle mit einer klaren Linie aus – sie wirken extravagant, fein und feminin.

Chic ohne Leder: vegan

vegan colors for your happiness

red, red, red

Ihre Kundinnen kommen als Laufkundschaft oder zu vereinbarten Terminen. Frauen lieben Schuhe und so wundert es nicht, dass es bei diesem Thema schnell zu einer persönlichen Beziehung zwischen den Kundinnen und der Künstlerin kommt. „Die meisten meiner Kundinnen stehen in meinem Auftragsbuch mit ihrem Vornamen“.
Inga Thomas möchte „mit Schönheit überzeugen“. Irgendwann hatte sie sich entschieden und wollte beweisen: „Es geht auch ohne Leder und das auf höchstem Niveau“. Das Material dazu kommt aus Italien. Sie gibt mir einige Proben. Die Oberfläche fühlt sich ganz glatt an und ist weicher als Leder, auf der Rückseite lese ich den Aufdruck: antibakteriell und atmungsaktiv.

Erhaben zum Horizont

Was macht den Reiz hoher Schuhe aus möchte ich wissen. Die Antwort kommt prompt: Ihr persönlich gefalle es sehr, wenn der Fuß gestreckt werde, „die Spannung in den Füßen überträgt sich auf den ganzen Körper und gibt einem eine betont aufrechte Haltung“, die wie sie zugibt auch etwas Erhabenes habe. Ich schaue sie an und stelle mir das vor, wie neugierig auf den Zehenspitzen gehen, um etwas Interessantes in der Ferne zu sehen.

Wie Manolo und Jil?

Wie ist das mit Vorbildern? Nein, sagt sie, Vorbilder habe sie keine, das gehe ihr schon zu sehr in die Richtung von kopieren und das wolle sie überhaupt nicht. „Didaktisch“, wie sie sich ausdrückt, gefalle ihr Manolo Blahnik und sie finde gut, was Jil Sander geschafft habe.

Gute Figur ohne Sport

Auf meine Frage, wann sie das letzte Mal Turnschuhe getragen habe, antwortet sie: „Gestern, aber das ist eher Zufall gewesen“. Zu ihrer guten Figur erklärt sie mir dann, dass sie schon lange Yoga betreibe.
Als ich nach unserem Gespräch aus dem Laden gehe, denke ich an die Frauen, die heute ganz gespannt auf ihre neuen Schuhe hierher kommen. Für Herren gibt es bei Inga Thomas noch keine Modelle. Wenn es soweit ist, komme ich wieder.

 

©Guido Barth
Fotos: Guido Barth