Veganes Kabarett von Gabriele Busse: „Soweit ich weiß, bin ich die Einzige, die das macht“

Go vegan!

Gabriele Busse: Kabarettistin und vegan.                                                                        Fotocredit: (c) Christian Schreibmüller

Gabriele Busse ist Kabarettistin. Sie ist im tiefsten Bayern aufgewachsen und hatte als junge Vegetarierin in der eigenen Familie und im dörflichen Umfeld einen schweren Stand. Aus diesem Erlebnis-Fundus schöpft sie reichlich für die Bühne. (Selbst-) Ironie gehört dabei zum guten Geschäft. Das aktuelle Programm der Künstlerin heißt: „Auch der Broccoli hat Gefühle“.

Veganes Kabarett: Was kann man sich darunter vorstellen? Ob das auch was für Fleischesser ist? Vor allem, was kann es da zu lachen geben? Wer guckt sich das überhaupt an? Das sind Fragen, die einem in den Sinn kommen. Um Antworten zu bekommen, wäre es das einfachste, sich eines der Videos von Gabriele Busse und ihrem Programm auf youtube anzusehen. Das populärste dieser Videos trägt den Titel: „Das bisschen Schlachten“. Das ist bei ernstem Hintergrund schon sehr lustig. Wer mit anderen zusammen lachen möchte, der nutzt am besten einen der Live-Auftritte von Gabriele Busse. Sie tourt erfolgreich mit ihrem „Veganen Kabarett“ auf deutschen Kleinkunstbühnen. Ich konnte die Gelegenheit auf dem Vegan Spring in Hannover nutzen.

Vor dem Programm hatte sich die Kabarettistin dort bei strahlendem Sonnenschein Zeit für ein Gespräch genommen. Attraktiv, chic gekleidet. und wortgewandt. Viele Medien heften ihr auch das Attribut „talentiert“ an, was sie aber nicht so gerne hört. Zumindest verzieht sie etwas ihr Gesicht und kommentiert: „Ich finde das schlicht gönnerhaft, aber Medien müssen ja immer irgendwas schreiben.“

Interviews machen Spaß

Der Wind bläst mitunter recht forsch auf Hannovers Steintorplatz und verfängt sich immer wieder in den mittellangen blonden Haaren der Künstlerin. Geduldig streift sie sie immer wieder mit den Fingern aus ihrem Gesicht. Schließlich haben wir uns an einem etwas improvisierten aber windstillen Plätzchen „Open Air“ eingerichtet. Bis zu ihrem Auftritt ist noch eine Stunde Zeit. Gabriele Busse redet schnell und sie redet viel. Sie sagt, dass das mit dem Interview ganz gut passe. Zum einen machten die meistens Spaß, und sie könne sich gleich ein bisschen für ihr Programm aufwärmen. Sie sei vor Auftritten immer nervös, gibt sie zu. Das verwundert etwas, steht sie doch jedes Jahr viele Dutzend Male auf der Bühne. Ganz nah am Publikum. Ihre Videos vermitteln auch nicht den Eindruck, als würde sie besonders aufgeregt sein. Ich frage also nach dem „Warum“. Sie sagt, sie schreibe ihr Bühnen-Programm immer wieder um, würde hier und da ergänzen oder weglassen und finde hin und wieder (sie lacht, als sie das sagt) neue Pointen. „Und alles, was neu ist, muss ich einüben.“

Gabriele Busse ist vor über 20 Jahren vegetarisch geworden und lebt nun schon seit ein paar Jahren vegan. Sie sieht sich selbst als Tierrechtlerin, obwohl sie das, wie sie es ausdrückt, nicht studiert habe. „Vor ein paar Jahren hat man es noch so ausgedrückt: wer vegetarisch lebt ist Tierschützer, wer vegan lebt ist Tierrechtler.“ Sie fügt noch hinzu, dass doch wirklich jeder erkennen könne, dass niemand das Recht habe, sich Lebewesen gegenüber so zu verhalten, wie der Mensch es gegenüber Tieren tut. „Wesen, mit denen man umgeht, darf man so nicht behandeln.“

Vegan leben: Respekt vor dem Leben zeigen

„Wer gibt den Menschen das Recht, Tiere zu quälen und zu töten?, fragt mich die Künstlerin und liefert die Antwort gleich mit: „Das ist doch der Mensch selber.“ Das, was sie mache, habe als einziges Ziel, etwas für die Tiere zu tun. „Das kostet unheimlich viel Energie. Manchmal denke ich, ich schaffe es nicht mehr. Aber es geht.“ Sie meint, sie hätte immer das Gefühl, nicht genug zu tun und nicht gut genug zu sein. Was sie in solchen Momenten dennoch weiter voran treibe, möchte ich wissen. Die Antwort dazu hat sie ohne überlegen zu müssen parat: „Ich habe eine Vision“. Ich sehe sie neugierig an und denke, dass ich nicht nachfragen brauche, um das genauer zu erfahren. Aber sie bleibt still und sieht mich ruhig an. Und?, frage ich schließlich genötigt. Als ginge es um eine Kleinigkeit, sagt sie: „Es wäre doch total einfach, wenn alle vegan leben würden. Was ist schon dabei. Dann wäre die Welt vielleicht noch zu retten“.

Stark engagierte Künstlerin

Gabriele Busse tut einiges für Tiere, sie engagiert sich mit einem Radioprogramm im Freien Radio Wüste Welle in Tübingen, sie macht veganes Kabarett und sie lebt vegan. Als Radio-Redakteurin hat sie u.a. zweimal Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer vor den Oberbürgermeisterwahlen und seiner Wiederwahl 2014 interviewt. Sie hat ihn zu den umstrittenen Affenversuchen am Max-Planck-Institut in Tübingen befragt. „Palmer hat beide Male die Leiden der Affen in den Versuchslaboren mit einem seiner Zahnarztbesuche verglichen“. Das hatte Gabriele Busse auf die „Palme“ gebracht, und sie hatte sich später zu einem beleidigenden Lied („Boris Palmer, hat dir jemand ins Hirn geschissen“) hinreißen lassen. Dass sie dafür von rechtlichen Schritten verschont geblieben ist, liegt wohl schlicht daran, dass sie sich als Kabarettistin auf die künstlerische Freiheit hätte berufen können.

Die Zukunft steht in den Sternen – oder im Fernsehen

Vegan ist derzeit schwer angesagt. Was kann man für die Zukunft erwarten? „Das ist schwer zu sagen. Mag sein, dass noch mehr Menschen verstehen werden, worum es geht. Mag sein, dass diese ganze Bewegung auch zu einem wirklichen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft führt. Ich werde jedenfalls die Zeit nutzen. Noch kommen viele in mein Programm und wollen mich hören. Wer weiß, wie das in ein paar Jahren aussieht.“

Das Fernsehen steht als Institution zur Meinungsbildung trotz Internet immer noch hoch im Kurs. Wann schlägt da die Stunde des „Veganen Kabaretts“ von Gabriele Busse? „Ich war bisher in zwei regionalen Sendungen dabei. Ansonsten ist das Fernsehen noch nicht so auf mich aufmerksam geworden. Ich hoffe, das kommt noch. Es ist ein nützliches Medium. Man erreicht sehr viele Menschen. Ich glaube aber, ich muss da auch noch etwas üben, damit ich fernsehtauglich bin.“ Sie lacht. „Noch glaube ich, bin ich nicht gut genug.“


Videos mit Gabriele Busse und ihrem Programm: „Das bisschen Schlachten“

Radio-Sendung:  „Ich komm grad vom Metzger, und irgendein Tier musste dafür auch sterben“: Boris Palmer, die Affenversuche in Tübingen und der Undercover-Ermittler. Eine Sendung von Gabriele Busse.

Die nächsten Termine in 2016 unter:


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