vegetarisch: „All We Need is Love“ (2007)

 

Go vegan!

Ziggy Marley

Guido Barth sprach mit dem Künstler über sein aktuelles Album „Love is My Religion“, über Liebe, Politik und Ernährung. Ziggy Marley gilt als derjenige der Marley Geschwister, dessen Stimme der seines Vater Bob Marley am ähnlichsten klingt. In den späten 80er Jahren und in den 90ern war er sehr erfolgreich mit den „Melody Makers“ (alles Marleys). Seither ist er vor allem solo unterwegs.


 

 

 

„Love is My Religion“ ist der Titel Deines aktuellen Albums. Es dreht sich also alles um die Liebe?

Ja, Liebe – das ist meine Botschaft.

Ziggy Marley im Interview kurz vor seiner Show

Ziggy Marley im Interview kurz vor seiner Show

Du hast Dein neues Album diesmal in Los Angeles aufgenommen, nicht in Kingston. Außerdem hast du einen weiten Bogen um die Musikkonzerne gemacht. Was bedeutet Dir das Album?

Ich bin mächtig stolz, weil ich mit dem Album einen Traum verwirklichen konnte. Den hatte bereits mein Vater gehegt, er konnte ihn aber nicht verwirklichen, weil er so jung gestorben ist. Das heißt, ich habe dieses Album selbst produziert, die Songs selbst geschrieben und auch viele Instrumente selbst gespielt. Mir gehören also alle Rechte an den Liedern. Ich bin völlig unabhängig von einem großen Label.

In dem Video zum Titelsong spielen Hippies eine Hauptrolle und du beziehst dich woanders auch auf einem Beatlessong aus den 60ern…

… „All You Need is Love“, ja, daraus wurde “All We Need is Love”, das ist die Message!

Die Realität sieht aber oft anders aus. Auf der Welt gibt es nicht nur Liebe. Was kann man für eine bessere Welt tun?

Da gibt es keine schnellen Rezepte, das umfasst eher das Ganze. Ich kann niemandem sagen, okay, Du musst das so und so machen und der Rest klappt dann schon. Das ganze Leben lang musst du dich bemühen, dass die Liebe gedeiht und die Welt besser wird. Geben, geben, geben – lebenslang, so funktioniert das.

Ziggy wird lockerer

Vollprofis sind auch vor der Show entspannt: scheinbar

Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Das ist nicht immer einfach und jeder muss sich anstrengen. Das fängt damit an, dass der Geist offen ist. Irgendwann hinterfragt man sich, was man alles sieht, fragt nach den Werten, etwa „Wer hat mir das beigebracht und mit welcher Absicht?“. So erkennt man Schritt für Schritt, was wirklich wichtig ist im Leben. Das ist ein schwieriger Prozess, aber anders geht es nicht.
Das heißt nicht, dass alles schlecht ist. Jedoch kommt alles aus ein und demselben System, und genau dieses System – das nicht universell ist – ist für die jetzige Situation verantwortlich. Liebe aber ist universell. Es geht dabei um das spirituelle, mentale Ringen, nicht um das politische oder soziale. Es geht um den Kampf, den jeder Mensch mit sich selber austragen muss, der Kampf um Liebe. Der Kampf darum, dass sich die Menschen nicht mehr gegenseitig hassen und töten. Und das ist etwas, dass wir in uns selbst finden müssen. Das lässt sich nicht politisch oder sozial lösen.

Du schätzt die Vorteile einer vegetarischen Ernährung aus gesundheitlichen und ethischen Gründen. Was genau bedeutet das für dich?

Menschen und Tiere sind von Gott erschaffen, also sind wir, so möchte ich das formulieren, wie Brüder und Schwestern. Wir gehören alle zur einer Familie und deshalb respektiere ich die Tiere.

Was bedeutet für dich die Aussage „Du bist, was du isst“?

Ich denke, dass unser Körper nicht dafür gedacht ist, dass er mit Blut voll gestopft wird. Es ist besser, wenn wir Obst, Gemüse und solche Sachen essen und Tierprodukte reduzieren – zumal wir es für ein gutes Leben nicht brauchen.

Wie wichtig sind für dich ökologische Lebensmittel?

Sie sind sehr wichtig.

Warum?

Ich möchte möglichst natürlich leben und die Sachen eher einfach haben. Ohne dabei Grenzen setzen zu wollen. Aber der gesunde Menschenverstand sagt einem eigentlich, was die richtige Richtung ist.

Ziggy Marley mit Guido Barth

Ziggy Marley schaut auf das DVD-Cover „Devour the Earth“. Rechts: Guido Barth

Und das ist bio?

Ja, genau. Organisch, Bio eben. Ich bin in Jamaika auf einer Farm aufgewachsen und da haben wir biologisch angebaut. Meine Mutter Rita, sie lebt jetzt in Ghana, betreibt eine Farm für ökologischen Anbau. Außerdem führen wir auf den Bahamas das „Marley Resort & Spa“. Dort verarbeiten wir ausschließlich biologische Nahrungsmittel.

Wie ernährst du dich während einer Tour?

Unsere Caterer werden sehr genau angewiesen. Das bedeutet z. B. dass heißes Essen auch wirklich heiß sein soll und kaltes wirklich kalt. Wir wollen auch immer richtiges Geschirr und auf gar keinen Fall Plastik. Alle Lebensmittel sind von allerbester Qualität und die Leute, die das für uns machen, wissen genau wie wir das haben möchten. Das läuft sehr gut.

Wenn du nicht auf Tour bist, lebst du in Los Angeles. Wer kauft bei dir zu Hause ein?

Darum kümmert sich eher meine Frau. Sie kauft natürlich Bio-Lebensmittel. Wir haben zwei Kinder und könnten ihnen gar nichts anderes zu Essen geben, das wäre ganz unmöglich.

Ziggy Marley from Kingston, Jamaica W.I. and Los Angeles

Ziggy Marley from Kingston, Jamaica W.I. and Los Angeles

Lass uns noch mal über deine aktuelle CD sprechen, bitte. „Love is My Religion“ wurde in den USA direkt von dem Einzelhandels-Unternehmen Target vertrieben und du hattest anders als üblich kein Major Label, die das alles erledigen, dafür besitzt du alle Rechte an den Masters. Wie ist das gelaufen, wie ist dein Fazit?

Es ist okay, aber es war nur für ein Jahr vereinbart. Das ist jetzt vorbei. Es war ein Experiment, aber ich möchte das nicht noch mal machen. Wie auch immer, ich lerne aus diesen Erfahrungen.

„Into The Groove“ von deinem aktuellen Album gibt es als free-download auf dem Podsave Network und du sagst Musik sollte und wird eines Tages völlig frei sein.

Ja, alles wird frei.

Wovon willst du dann leben, schließlich hast du einiges, was du bezahlen musst, die Musiker, Touren, die Familie und wer weiß, was noch?

Wir finden einen anderen Weg, da ist immer ein Weg; die Vögel und die Bienen, sie haben ihren Weg und wir finden auch einen. Da mach ich mir gar keine Sorgen. Es gibt immer einen Weg.

Wofür steht die schwarze Katze in dem Song „Black Cat“?

Es ist eine schwarze Katze.

Mmmh, eine schwarze Katze, aber da heißt es in dem Lied, „ich befreie dich von deinem schlechten Ruf“, oder jedenfalls so ähnlich. Warum ein schlechter Ruf, Aberglaube? oder was meinst du damit?

Aberglaube, ja. Schwarz, eine schwarze Katze, das bringt Unglück, so ist das jedenfalls überliefert. Wir sind da aber nicht abergläubisch und wir befreien die schwarze Katze von ihrem Stigma.

Tourdaten und Infos unter www.ziggymarley.com

 

© Guido Barth
Fotocredits: (c) Fabian Pothe