veggy-style: „Ich bin ein guter Buschkoch“

Reggae, Veggy: Xavier

Xavier Rudd – genialer Multiintrumentalist aus Australien

Interview mit dem australo-kanadischen Multi-Instrumentalisten Xavier Rudd in Hamburg. Sein wohl wichtigstes Instrument, neben seiner Stimme und verschiedenen Yirdakis (Didgeridoos), ist eine ursprünglich aus Deutschland stammende Weissenborn Gitarre. 

Die wunderschöne und harmonische Musik – eine Mischung verschiedener traditioneller Stile; Xavier Rudd nennt Paul Simon sein Vorbild – mit den zum Teil rührenden Texten über die Erde, Natur, Menschen und Gefühle ziehen die Zuhörer überall in ihren Bann. Der vegetarisch lebende Künstler, der meistens alleine auftritt, ist in seiner Heimat und in Nord-Amerika bereits sehr bekannt und wird jetzt auch endlich in Europa entdeckt.

Xavier, Du bist auch Surfer und Du joggst. Bekanntlich brauchst Du viel Bewegung, nun ist auf dieser Tour heute kein Wasser in der Nähe. Warst Du heute schon joggen? Ja, das stimmt – ich war gerade eben joggen. Das mache ich fast jeden Tag und mir geht es immer wunderbar. Ich bin Musiker, aber eben auch Surfer und natürlich würde ich am liebsten surfen gehen, aber das geht jetzt ja nicht.

Hast Du auf Deinen Tourneen immer ein Board dabei? Nein, das wäre schwierig und ist gar nicht nötig. Wenn ich zu einem Surfspot komme, gibt es immer irgendwie ein Board.

Welches ist Dein Lieblingssurfspot? Bells Beach, das ist da, wo ich lebe: in Torquay. Der Spot ist sehr bekannt, jedes Jahr findet dort das „Rip Curl Pro Surf & Music Festival“ statt – da triffst du Menschen aus aller Welt.

Touren und grüne Kampagnen

Xavier Rudd während einer Europa-Tournee in Uetrecht

Xavier’s shows offer a kind of magic

Wieviel Zeit bist Du im Jahr auf Tour? Sechs bis acht Monate.

Das ist sehr lange, zumal Du hast ja auch eine Familie. Ja, das stimmt, das ist sehr lange. Es ist aber sehr wichtig für mich. Ich möchte den Leuten schon etwas mitteilen und natürlich lebe ich von der Musik. Ich sehe mich da durchaus privilegiert, ich reise um die ganze Welt, darf vor wunderbaren Menschen musizieren und meine Botschaft wird gehört. Es gibt ja immer Mal ein bisschen freie Zeit, manchmal kann ich dann nach Australien fliegen oder meine Familie besucht mich.

Dein Herz schlägt nicht nur vegetarisch (veggy) sondern auch ökologisch, wie das Deiner Frau, die ja als Umwelt-Aktivistin bekannt ist. Seid ihr auch gemeinsam in dieser Richtung aktiv? Wenn ich zu Hause bin und Zeit habe: immer. Das ist leider nicht so oft. Aber wenn, dann engagieren wir uns an Kampagnen oder organisieren selber etwas.

Du hast letztes Jahr in den USA auf dem berühmten Bonaroo-Festival vor 60.000 Menschen gespielt. Das Festival gilt als „grün“. (Lacht) Ja, für amerikanische Verhältnisse, da mag das stimmen, okay. Das darf man aber nicht vergleichen. Zum Glück übernehmen die großen Festivals mit ihren hohen Budgets jetzt eine Voreiterrolle für eine „grünere“ Umwelt, das ist gut. Schließlich gibt es in Amerika viele Gegenden und sogar Städte, wo du deine Sachen nicht Mal recyceln kannst. In diesem Kontext setzt das Festival schon ein deutliches Zeichen.

Töten nach strengem Ritual 

Xavier ist tätowiert mit Symbolen der Ureinwohner

Xavier bleibt auch kurz vor der Show entspannt

Du lebst vegetarisch, warum eigentlich? Wenn die Indigenous People ein Kängeruh töten, folgen sie dabei einem strengen Ritual, so streng, dass es passieren kann, dass sie manchmal nichts zu essen bekommen. Diese Art kommt für mich zwar auch nicht in Frage, aber das kann ich irgendwie noch nachvollziehen. Eine ganz andere Sache ist es, wenn ich in einen Laden gehe und dort liegen die Fleischstücke, von irgendjemandem, einem völlig Fremden zurecht geschnitten – millionenfach, und das ganze aus Massentierhaltung. Das lehne ich ganz und gar ab.

Welche Rolle spielt die vegetarische Ernährung in der Indigenous Kultur? Die rein vegetarische, keine. Viele Menschen leben in wüsten-ähnlichen Gebieten; da gibt es ein paar Wurzeln, Knollen, Nüsse und Beeren, bestenfalls. Die Hauptnahrung machen da seit jeher Kängeruh-Fleisch und das Fleisch einiger Lizard-Arten aus, an den Küsten natürlich in erster Linie Seafood.

Zu Hause bei Dir, wer ist da der Koch, Du? Ich koche auch, manchmal. Ich bin nicht so ein guter Koch, meine Frau hingegen kocht wirklich klasse. Wenn wir beide zu Hause sind, ist sie es meistens, die kocht, sie liebt das. Sie ist brillant. Ich hingegen, ich bin ein guter Busch-Koch, also über offenem Feuer, da bin ich recht gut.

Zuhause im Recycle-Haus

Verbringst Du eigentlich noch Zeit in Australien? Ja, einige Monate jedes Jahr. Wir bauen da gerade ein Haus auf Basis einer Strohballen-Konstruktion, 100% nachhaltig. Es ist noch nicht fertig und macht sehr viel Arbeit. 95% aller Materialien die wir verarbeiten sind recycelt; da sind z.B. die Balken, die haben wir aus einer Nachbarstadt von einem alten Gebäude im Hafen. Wir kompostieren unsere Abfälle in der Wurm Farm und unser ganzes Abwasser wird auf natürliche Weise gereinigt. Da merkst du ganz genau, dass du selbst für alles verantwortlich bist; du bekommst ein ganz gutes Gefühl für Kreisläufe, was gut ist und was nicht. Wir haben zwei Jungs, einen siebenjährigen und einen zweijährigen, Joaquin und Finojet, und die leben auch in diesem Haus und müssen sich diesem System anpassen. Da gibt es für uns alle sagenhaft viel zu lernen.

Wie funktioniert bei euch die Energieversorgung? Das Haus wird komplett mit Solar-Energie versorgt. Bäume, die um das Haus herum stehen, bilden einen natürlichen Schatten und wir haben selbstverständlich keine Bäume für unser Haus gefällt, sondern sozusagen um die Bäume herumgebaut. Es ist also alles ganz gut integriert. Die Sonne scheint für ein paar Stunden am Tag direkt auf das Haus, das reicht.

Down Under, tiefe kulturelle Wurzeln und Inspiration

Xavier Rudd is a really sympathetic man

Xavier mit der Sängerin Rose und dahinter Guido

Wie verhält es sich mit Australiens Musikszene? Oh, die ist sehr lebendig und es gibt wirklich gute Musik; besonders aufregend ist es im Sommer. Da gibt es allerorten großartige Konzerte an fantastischen Orten. Es gibt auch wirklich viele Festivals, die sich um die vegetarische und vegane Kultur drehen. Love and Peace Festivals in den Wäldern – eine tolle Zeit.

Deine Musik ist stark geprägt von den Indigenous People. Was verbindet Dich mit den Menschen und deren Kultur? Ich habe eine recht starke Verbindung und ich habe viele Freunde und Bekannte bei den Indigenous im ganzen Land. Meine Ur-Großmutter war Indigenous und dieser Spirit, den ich immer sehr stark spüre, der stammt wohl von ihr. Ich habe schon immer diese Verbindung mit meiner Kultur gehabt.

In dem wunderschönen Stück: „Things meant to be“ heißt es zum Beispiel, „You have to watch hard deep in the sea then you will see“, es geht ums Meer, um Bäume, Pflanzen, um die Erde als Freund, als Partner. Sind wir bei unserem Lebensstil, der so wahnsinnig konsumorientiert ist, überhaupt noch in der Lage, so etwas wahrzunehmen oder ist das alles Nostalgie und Romantik? Das kann sein, aber die Eindrücke, die ich habe, haben viel mit meiner ursprünglichen Natur zu tun. Weißt du, ich finde diesen „Indigenous-Spirit“ ziemlich häufig in mir, ganz besonders eben, wenn ich in Australien bin. Dieser Spirit erfüllt mich dann doch sehr. Dann empfinde ich genau das, was ich in meinen Liedern besinge.

Das Publikum ist bei Deinen Konzerten sehr enthusiastisch, Du wirst begeistert angefeuert, bejubelt und oft gibt es Freudenschreie, gefällt Dir das? Oh ja, das gefällt mir sehr, das gehört für mich dazu, ich kommuniziere ja mit dem Publikum, wir erleben das alles gemeinsam und die Energie dabei ist ganz unglaublich. Ich liebe das sehr. Ich betrachte das als ein großes Geschenk, genauso, wie ich es als Geschenk ansehe, dass ich jeden Tag meine Musik spielen kann und das Glück habe, überall auf der Welt vor vielen wunderbaren Menschen zu spielen. Die Menschen kommen zu den Konzerten und lassen all den Alltagsmist zu Hause, bzw. verlieren ihn spätestens während des Konzerts. Das ist doch sehr schön. Sie bringen all ihre gute Energie mit. Ich bekomme viel davon und ich gebe viel zurück – das ist ein großes Geschenk.

Was ist eigentlich das Tolle am Surfen, was finden die Leute so großartig daran, oder besser, was findest Du so großartig daran? Es ist einfach schön – wie erkläre ich das am besten. Du hast beim Surfen, eine ganz starke Verbindung mit der Kraft von „Mother Earth“. Das Wasser hat eine unglaubliche Energie, die ist unaufhörlich in Bewegung, zurück und vor, zurück und vor. Oft bist du der einzige Mensch in einer Bucht, ganz allein auf dem Wasser und verbunden mit dieser kraftvollen Energie. Du tanzt mit dem Wasser.

Xavier, vielen Dank für das Gespräch.

©Guido Barth
Fotocredits: Fotos 1 und 2: Guido Barth, Fotos 3 und 4: Elke Meier

Informationen, Alben und Termine:

http://www.xavierrudd.com


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