VIER PFOTEN kritisiert neue EU-Fleischkennzeichnung: Wichtige Informationen werden dem Verbraucher vorenthalten

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Den Tieren verpflichtet: VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz.
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Die ab dem 1. April 2015 geltende Kennzeichnungsverordnung der EU für Fleisch ist laut VIER PFOTEN ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung. Dennoch ist sie für die Tierschutzstiftung völlig unzureichend. Denn wichtige Informationen werden den Konsumenten nach wie vor vorenthalten, da die Herkunft von Fleisch weder in der Gastronomie, noch im Supermarkt (verarbeitetes oder mariniertes abgepacktes Fleisch) noch an der Fleischtheke (offenes Fleisch) deklariert werden muss.

Gekennzeichnet werden muss künftig die Herkunft von abgepacktem frischen Schweine-, Geflügel-, Schaf- und Ziegenfleisch. Bei Rind- und Kalbfleisch müssen die Verbraucher bereits seit einigen Jahren über Geburtsort und Aufzucht informiert werden.
„Natürlich schafft diese neue Verordnung mehr Transparenz für die Konsumenten, was wir grundsätzlich positiv sehen“, erklärt Helmut Dungler, Gründer und Präsident von VIER PFOTEN. „Die Verbraucher können sich aktiv für ein Herkunftsland mit besseren Tierschutzgesetzen entscheiden bzw. jenes Land wählen, das kürzere Transportwege garantiert.“

Bedürfnisse der Konsumenten verfehlt

Dennoch greift die Verordnung laut VIER PFOTEN viel zu kurz. Dungler: „Das von der Kennzeichnung betroffene Fleisch ist ja nur ein Teil des tatsächlich konsumierten Fleisches. Immer mehr Menschen essen außer Haus, der Trend zu Fertigprodukten hält an. Unter diesen Gesichtspunkten geht es völlig an den Bedürfnissen der Konsumenten vorbei, wenn in der Verordnung Gastronomie und verarbeitete Produkte ausgenommen werden.“ Auch die Tatsache, dass offenes Fleisch an der Theke nicht betroffen ist, ist für ihn nicht akzeptabel. Alles in allem würden dem Konsumenten nach wie vor wirklich wichtige Informationen vorenthalten.

Keine Angabe von Haltungsform und Transportstrecke

Laut VIER PFOTEN sollten konsequenterweise außerdem die unterschiedlichen Haltungsformen gekennzeichnet werden.  Helmut Dungler: „Ein ethisch bewusster Verbraucher möchte wissen, wie das Tier gelebt hat.“ Ein Beispiel für eine gelungene Kennzeichnung ist für ihn das Schalen-Ei: „Hier kann der Konsument über die Ziffern 0 bis 3 neben dem Herkunftsland auch die Haltungsart wählen. Warum sollte das nicht beim Fleisch funktionieren?“

Unverständlich ist für VIER PFOTEN, dass – anders als bei Rind- und Kalbfleisch – bei den neu zu kennzeichnenden Fleischsorten der Geburtsort nicht angegeben werden muss; es reicht der so genannte Aufzuchtsort. „Die Information, ob das Tier zwischen Geburts- und Aufzuchtsort eine lange Transportstrecke zurücklegen musste, ist doch eine extrem wichtige. Wieso bekomme ich sie bei Rind- und Kalbfleisch, aber sonst nicht? Das ist total inkonsequent“, sagt Helmut Dungler.

Vor wenigen Wochen erst hat das EU-Parlament eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch für verarbeitete Fleischprodukte gefordert. „Wir begrüßen diese Initiative der EU-Parlamentarier, wenngleich sie auch noch immer nicht alle unsere Forderungen abdeckt. Bleibt zu hoffen, dass die EU-Kommission dieser auch so rasch wie möglich mit einer entsprechenden Ausweitung der Kennzeichnungsverordnung nachkommt“, sagt Dungler.  Dies wäre für VIER PFOTEN nicht nur im Sinne des Tierschutzes, sondern käme auch den Wünschen der Verbraucher entgegen.